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Die 7 häufigsten Fragen zur Rückbildung nach der Geburt

1. Was ist eigentlich Rückbildung?

Von der Rückbildung spricht man, wenn sich der Körper von einer Schwangerschaft wieder in die alte Form zurückbildet – wenn teilweise auch nicht komplett. Während neun Monaten verändert sich der Körper in einer Schwangerschaft und passt sich dem grösser werdenden Baby und dessen Versorgung an. Vor allem hormonell passieren viele Veränderungen, die einen grossen Effekt auf das Skelett, die Bänder und die Muskulatur der Frau haben. Ebenso verändert sich die Zusammensetzung und das Volumen des Blutes, die Atmung, die Verdauung, der Stoffwechsel, das Körpergewicht, Haut, Haare und Nägel. Durch das Gewicht und die Grösse des Babys werden insbesondere die Gebärmutter, die Blase, die Bauchmuskulatur und der Beckenboden stark belastet. Die Geburt stellt dann zum Abschluss einer Schwangerschaft eine Extremsituation für den weiblichen Körper dar. 

 

Durch das zusätzliche Gewicht des Babys

und der grösser werdende Bauch 

werden in der Schwangerschaft besonders

die Bauchmuskulatur und der

Beckenboden stark belastet.

 

Bereits nach der Geburt beginnen sich Gebärmutter, Beckenbodenmuskulatur, Bauchdecke, Bauchmuskulatur, Vaginalkanal, Vagina und Hormonhaushalt zurückzubilden. Geburtsverletzungen und allenfalls Kaiserschnittnähte und die Gebärmutter – dort wo sich die Plazenta gelöst hat – beginnen zu heilen. Die ersten grösseren Veränderungen passieren in den ersten 6-8 Wochen, dem sogenannten Wochenbett. Meistens findet nach diesem Zeitpunkt eine Nachkontrolle bei der Gynäkologin oder der Hebamme statt. Ist alles im grünen Bereich, darf frau mit einem Rückbildungskurs starten.

2. Wieso braucht es einen Rückbildungskurs?

Viele Veränderungen werden vom Körper automatisch und ohne eigenes Zutun wieder zurückgebildet. Genauso wie der weibliche Körper sich der Schwangerschaft anpasst und ein eigenständiges kleines Wesen hervorbringen kann, ist er im Stande diese Prozesse danach wieder rückgängig zu machen – bis zu einem gewissen Grad und wenn frau weiss, welches Verhalten im Alltag die Prozesse der Rückbildung unterstützen und welche Verhaltensweisen diese stören oder sogar wieder rückgängig machen können.

 

Es ist wichtig, dass du weisst,

wie du die Rückbildung im Alltag

unterstützen kannst

und welches Verhalten

diesen Prozess negativ beeinflusst.

 

Und genau hier setzt der Rückbildungskurs an. In einem guten Rückbildungskurs lernst du, wie du deinen Körper in der Rückbildung unterstützen kannst, wie du Bauchmuskulatur und Beckenboden im Alltag schonst und mit welchen Übungen du deine Muskulatur wieder aufbauen kannst.

 

Ein guter Rückbildungskurs ist nicht einfach nur Gymnastik, sondern enthält ganz gezielte Rückbildungsübungen für Bauch und Beckenboden, die deiner individuellen Situation angepasst sind, sowie Informationen zu den Themen rund um die Rückbildung.

3. Wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Rückbildungskurs?

Mit einem Rückbildungskurs solltest du frühestens nach der Nachkontrolle bei der Frauenärztin oder der Hebamme beginnen. Diese findet etwas 6 bis 8 Wochen nach der Geburt statt. Es ist aber kein Problem erst später, zum Beispiel 3 oder 4 Monate nach der Geburt mit einem Kurs zu beginnen. 

 

Zu spät ist es für einen Rückbildungskurs eigentlich nie. In einem Rückbildungskurs geht es darum deine Muskulatur nach der Schwangerschaft und Geburt wieder aufzubauen. Was deine Bein-, Po- und Armmuskulatur betrifft, wirst du das vielleicht auch bei einem anderen Kurs oder in deiner gewohnten Sportart wieder erreichen. Was die Beckenboden- und teilweise auch die Bauchmuskulatur betrifft, wird das vermutlich nicht der Fall sein. Im dümmsten Fall wird die Muskulatur vor allem im Beckenboden sogar noch weiter geschwächt und Spätfolgen wie Senkung oder Inkontinenz sind die Folge. Auch wenn du in den ersten 8 Monaten oder länger nach der Geburt keinen Rückbildungskurs besucht hast, ist der Wiederaufbau deines Beckenbodens noch sinnvoll und empfehlenswert. Es gibt auch spezielle Beckenbodenkurse oder Beckenbodenyoga.

 

Es ist nie zu spät

deine Beckenbodenmuskulatur

wieder in Schuss zu bringen.

4. Wie lange dauert die Rückbildung nach der Geburt?

Dein Körper hat sich in der Schwangerschaft 9 Monate lang verändert und dem wachsenden Kind angepasst und zum Schluss durch die Geburt nochmals einer grossen Belastung ausgesetzt. Dein Körper braucht deshalb mind. genauso viel Zeit, um sich wieder dem Zustand vor der Schwangerschaft anzunähern.  In der neueren Literatur wird sogar von mind. einem Jahr ausgegangen. So lange du stillst, ist dein Körper teilweise weiterhin hormonell auf Schwangerschaft eingestellt und deshalb verlängert sich die Rückbildungszeit bei stillenden Frauen zusätzlich. Auch bei grösseren Geburtsverletzungen kann die Rückbildungszeit länger dauern.

 

Die Rückbildung nach der Geburt

dauert mind. ein Jahr

5. Wann kann ich wieder joggen?

Joggen ist eine beliebte Sportart und viele Frauen möchten bald nach der Geburt wieder damit beginnen. Was könnte denn da auch dagegen sprechen? Wahrscheinlich dein Beckenboden. Lass mich dies kurz und etwas vereinfacht erklären. Stell dir deinen Beckenboden als flächigen elastischen Verschluss am unteren Ende deines Beckens vor. Er hält in deinem Becken deine Gebärmutter, deine Blase und deinen Darm oben. Diese sind wiederum an feinen Bändern befestigt und somit nicht starr, sondern beweglich. Jedesmal wenn du beim Laufen auf den Boden auftrittst, schlagen deine Organe (Gebärmutter, Blase und Darm) auf dem Beckenboden auf. Bei einem starken Beckenboden ist das kein Problem. Er spannt sich dann einfach automatisch blitzschnell an. Ist dein Beckenboden aber noch nicht wieder so stark wie vor der Schwangerschaft, schafft er es nicht (mehr) die Schläge aufzufangen. Dies bringt zwei negativen Folgen mit sich. Einerseits schwächen die Schläge deinen Beckenboden immer mehr und andererseits dehnen sich auch die Bänder deiner Organe mehr, so dass diese irgendwann zu wenig Halt haben. Sie beginnen sich zu senken. Dies gilt natürlich ebenso für alle anderen Sportarten und Tätigkeiten mit Sprüngen und harten Schlägen wie bspw. Tennis, Squash, Trampolinspringen usw.

 

Wann dein Beckenboden einem Lauftraining wieder stand hält, kann hier nicht pauschal beantwortet werden. Beachte unbedingt die Rückbildungszeit und wende dich bei Unsicherheiten an eine Fachperson. Solltest du beim Training Beschwerden wie Schmerzen oder Urinverlust bemerken, ist dies ein klares Zeichen, dass dein Beckenboden noch nicht soweit ist und das Training ist unverzüglich einzustellen.

6. Und wie ist das bei einem Kaiserschnitt?

Die vaginale Geburt ist natürliche eine grosse Belastung für den Beckenboden und diese fällt bei einem Kaiserschnitt weg. Der Beckenboden wird aber bereits in der Schwangerschaft belastet und die Bauchmuskulatur wird durch die Schwangerschaft und die Operation sogar doppelt belastet. Die Bauchmuskeln können nach dem Kaiserschnitt das Becken häufig nicht in einer aufrechten Position halten, so dass das Becken nach vorne kippt (Hohlkreuz) und damit verschiedene Beschwerden hervorruft. Das wichtige Zusammenspiel von Beckenboden- und Bauchmuskulatur ist häufig gestört, so dass die Wahrnehmung des Beckenbodens eher schwerfällt. Beckenbodenschwächen bei Frauen, die mit einem Kaiserschnitt entbunden haben, sind daher nicht selten.

 

Aktive Rückbildung ist auch

bei Kaiserschnitt-Geburten wichtig,

denn auch diese Frauen können an

Spätfolgen wie Beckenbodenschwächen 

oder Senkungen leiden.

7. Was passiert wenn ich keinen Rückbildungskurs besuche?

 

So ganz genau, kann ich dir das nicht sagen, denn die Rückbildung ist von Frau zu Frau individuell, ausserdem spielen da eine Menge Faktoren mit rein wie Alter, Anzahl Schwangerschaften und Geburten, Genetik, Bindegewebe, sportliche Aktivitäten, Verhalten im Alltag usw. Das Risiko steigt aber nach jeder Schwangerschaft und Geburt an, entweder gleich oder auch erst Jahre später unter Inkontinez (Urin und/oder Stuhl) oder Senkung (Absinken von Gebärmutter, Blase und/oder Darm) zu leiden. Das ist alles andere als lustig und schränkt die Lebensqualität massiv ein. Entweder beginnt dann stilles Leiden, hartes Training oder im schlimmsten Falle ein operativer Eingriff. Vielleicht fragst du dich jetzt, wieso du davon noch nie gehört hast und dass das doch bestimmt nur ganz wenige betrifft. Leider ist dem nicht so. Die NZZ schreibt am 22.12.16 betreffend Inkontinez von einer schambesetzen Volkskrankheit:

 

«Schweizweit leiden etwa 400 000 Menschen an Harninkontinenz, wobei von einer hohen Dunkelziffer auszugehen ist. Zur Stuhlinkontinenz liegen bisher keine verlässlichen Zahlen vor. In vielen Fällen ist eine Schwangerschaft oder eine Geburt der Auslöser, was einer der Gründe dafür ist, dass Frauen zwei- bis dreimal so häufig betroffen sind wie Männer. Eine repräsentative Befragung in Deutschland ergab, dass 15 Prozent aller Frauen an Harninkontinenz leiden, mit einer deutlichen Zunahme ab dem 40. Lebensjahr». Aktuellere Studien gehen sogar von 500 000 Menschen in der Schweiz aus.

 

15% aller Frauen

leiden an Harninkontinez

 

Auch weniger offensichtliche Beschwerden wie Rücken- oder Beckenschmerzen können ebenfalls die Folge einer schlechten Rückbildung sein.

Du hast deine Gesundheit in der Hand

Das Gute ist, soweit muss es nicht kommen. Du kannst dich aktiv für eine gelingende Rückbildung und einen starken Beckenboden einbringen. Was du brauchst, sind die richtigen Infos und ein bisschen Motivation. Auch wenn du bereits an einer Belastungsinkontinenz oder einer leichten Senkung leiden solltest, mit dem richtigen Training und schonendem Verhalten im Alltag, bekommst du das wieder in den Griff.

 

 

Informationen zum Beckenboden

und regelmässiges Training

sind die beste Prävention.

Hier geht es zu den Kursen:


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